#MeinRadrevier

Meine Lieblingstour mit dem Rad

Eine meiner Lieblingstouren, die man bei trockenem und sonnigem Wetter ohne Probleme radeln kann, führt mich durch den Norden des Ruhrgebiets: ein Mix aus Waldatmosphäre im Arenberger Forst, Kanal Atmosphäre am Wesel-Dattel-Kanal hinein bis hin ins Naturschutzgebiet über die Lippe Deiche. Unterwegs erleben wir jede Menge Industriekultur. Zum Beispiel in der Zechensiedlung Hervest, wo wir uns auf die Spur der Bergarbeiterfamilien begeben und die ehemaligen Zeche Fürst Leopold in Dorsten. Dort gibt es verschiedene gastronomische Möglichkeiten rund um die ehemalige Lohnhalle und ein Kreativzentrum in dem man Künstlern über die Schulter blicken kann.

Lust auf ein Eis? Ein gutes Eiscafé und ein Restaurant mit veganen und vegetarischen Köstlichkeiten (Buchweizen-Salat ist mein Tipp!) in Bio-Qualität sind gute Anlaufstellen, um sich für die Weiterfahrt zu stärken. Wer Obst, Wasser oder anderes sucht, findet auf dem ehemaligen Bergwerksgelände zu den üblichen Öffnungszeiten auch einen großen Supermarkt sowie eine Bäckerei, die teils auch an Sonn- und Feiertagen geöffnet hat.

Für jede Jahreszeit geeignet

Das Besondere ist an meiner Tour:  Man kann sie an verschiedenen Punkten erweitern oder verkürzen und hat die Möglichkeit, auch mit dem ÖPNV oder eigenem PKW und Rad zu kombinieren. Ich mag die Tour vor allem, weil ich unterwegs sowohl sonnige als auch schattige Plätze habe. Die Tour eignet sich daher auch für die ersten oder letzten Tage der Radfahrsaison. Also, wenn die Sonne die ersten warmen Strahlen schickt oder am Ende des Jahres auf Tauchstation geht. Und im Sommer braucht man halt auch Schatten. Daher ist die Tour durch den Arenbergischen Forst und den Barloer Busch herrlich schattig an warmen Tagen. An den ungeschützten Strecken an Kanal und Lippe kann es an heißen Tagen unerträglich heiss werden, weil auf dem Deich kaum Schatten ist. Daher unbedingt genug Wasser mitnehmen, weil man nicht an jeder Ecke einen Kiosk findet.

Auch für die Kleinsten ideal

Ich habe mir die Tour so zusammengestellt, damit auch die Kinder was zu sehen haben. Zum Beispiel am Segelflugplatz Dorsten, wo direkt über unseren Köpfen die Segelflieger starten oder landen. Das ist Abenteuer pur! Oder direkt daneben die Schleuse Dorsten, wo man den Schiffen live beim Schleusenvorgang zuschauen kann und einem das Wasser um die Ohren spritzt, wenn sich die Schleusentore mit Getöse öffnen. Auch der Naturlehrpfad nebenan im Barloer Busch ist für die kleinen Radler ein Highlight. Später ist dann in Marl-Polsum auch das Füttern der Hängenbauch-Schweine und Ziegen ein echtes Erlebnis und eine gute Motivationshilfe für das restliche Stück.

Wald, Kanal, Fluss, Industrie am Horizont und die sich durch den Jahrhunderte langen Bergbau veränderte Landschaft mit seinen Senken und der Hürfeldhalde, zeichnen meine Lieblingstour aus. Es gibt unterwegs viele Orte, die zu einer Pause einladen. Die ideale Tour mit der Familie, zu zweit mit einem schönen Glas Wein und einem leckeren Essen beim Italiener auf dem ehemaligen Zechengelände, oder auch allein: ich habe immer ein spannendes Buch dabei und mein MacBook, um ein wenig zu schreiben. Es gibt so viele Kraftorte auf dieser Strecke, dass sie nie langweilig wird.

Wer ist Ludger Vortmann?

Ludger Vortmann, geb. am 14.02.1969, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt als Hörfunk-, TV- und Buchautor in Marl. Im Herbst 2016 war er vom ewigen Stau im Berufsverkehr so genervt, dass er einen Selbsttest startete. Er ließ seinen Wagen vier Wochen lang stehen und radelte die 1024 Kilometer zwischen Wohnort und Arbeitsplatz mit dem Pedelec. Trotz Regen und Frost. Das macht er jetzt so oft wie möglich und kennt inzwischen das Ruhrgebiet auch aus der Radlerperspektive sehr gut. 
Seine verrückteste Tour: Marl/Köln/Marl 229 Kilometer in 24 Stunden mit Zwischenstopp beim WDR-Fernsehen (ab Minute: 3:50).