#MeinRadrevier

Route der Industriekultur von den Fahrradrabauken

Wir kommen immer wieder gerne ins Ruhrgebiet und das hat viele Gründe. Praktisch gedacht ist das Ruhrgebiet für uns Kölner schnell zu erreichen, wir setzen uns einfach in die Bahn und sind im Handumdrehen im Pott. Kurze Wege. Das Rheinland und das Ruhrgebiet sind ja quasi Nachbarn. Isso. Daher eignet sich das Ruhrgebiet perfekt als Tagesausflugziel, nicht nur für uns, sondern auch für Familien und Kulturbegeisterte. Denn wenn das Ruhrgebiet eins zu bieten hat, dann ist es Industriekultur. Uns das nicht zu knapp.

Wer jetzt aber qualmende Schornsteine, mit Ruß bedeckte Fensterbänke und weitere Schwerindustrie erwartet, liegt komplett daneben. Fakt ist, das Ruhrgebiet befindet sich schon seit längerem im Wandel und das macht es auch für einen Besuch so interessant. Aus Grau wird Grün und aus alten Bahntrassen werden Fahrradwege, die sich wie ein Netz über den gesamten Ruhrpott legen. Ein Traum für alle Fahrradbegeisterten. Radeln ohne Autoverkehr inmitten von Industriekultur und irgendwie doch auch im Grünen. Vor Jahren unvorstellbar nun aber gelebte Pottpraxis und dies auf immer wieder beeindruckende Weise.

Tourstart am Essener Hbf

Auch wenn wir schon öfters auf der Route der Industriekultur mit unseren Rädern unterwegs waren, kommen wir immer gerne zurück. Vor zwei Jahren waren wir zum ersten Mal zwischen Halden, Bergmannssiedlungen und stillgelegten Zechen unterwegs und haben uns direkt in diese Region verliebt. Die Rabauken-Tourenempfehlung und damit unsere Lieblingsstrecke startet am Essener Hbf. Der RE fährt aus Köln direkt durch, ohne Umstieg spuckt die Bahn dich quasi direkt auf die Route der Industriekultur. Dann kann es losgehen. Vom Hbf geht es dann Richtung Zeche Zollverein, die zu Recht das Prädikat Weltkulturerbe trägt.

Neben dem Ruhrmuseum, mit wechselnden Ausstellungen und einem sehr weitläufigen Gelände gibt es außerdem noch einen schönen Biergarten. Für uns immer die erste Anlaufstelle. Bei einem ersten Pils lässt sich der weitere Tagesverlauf dann auch viel besser planen. Ist der Biergarten geschlossen, bekommt man ein zweites Frühstück, in Form von Pommes Rot-Weiß und Pils auch direkt am „Food-Truck“ vor dem Eingang des Ruhrmuseums.

Erklimmen der Halde Rungenberg

Besser kann man nicht starten. Die angesammelten Kalorien wollen natürlich wieder runtergestrampelt werden. Hierfür eignen sich die zahlreichen Haldenanstiege in der Region hervorragend. Unser Highlight ist immer wieder die Halde Rungenberg mit 110 m ü. NN mit der Lichtinstallation von „Nachtzeichen“ von Hermann EsRichter aus Oberhausen und Klaus Noculak aus Berlin. Von hier oben hat man einen herrlichen Ausblick über Gelsenkirchen und die restliche Umgebung. Und wie grün die Region aus dieser Perspektive aussieht! Wenn sich dann nach Einbruch der Dunkelheit das Licht der beiden Scheinwerfer über der geteilten Halde trifft und sie quasi virtuell vervollständigt, verbreitet der Ort nochmal eine ganz andere Faszination. Großartig und ein absoluter Fahrradrabaukentipp!

Versacken an der Erzbahnbude

Sind die Kräfte nach dem Haldenaufstieg ein wenig erschöpft, sollte man auf jeden Fall einen Abstecher zu Holgers Erzbahnbude machen. Wie der Name schon verrät, radelt man zur besagten Bude, auf alten Bahntrassen, über die früher die Kohle abtransportiert wurde. Am Knotenpunkt 46 laufen verschiedene Routen sternförmig zusammen und es trifft sich hier so ziemlich alles, was auf dem Rad unterwegs ist. Doch aufgepasst: Hier kann man leicht versacken! Wir sprechen da aus eigener Erfahrung. Sonne, Käsekuchen, ein kühles Bier aus der Bügelflasche und eine Menge netter Leute, mit denen man leicht ins Gespräch kommt und Radfahrgeschichten austauschen kann. Eigentlich kann man hier schon die Tour abbrechen, schöner geht es kaum.

Abschied von oben

Wer es doch noch mal auf den Sattel schafft, sollte sich in Richtung Bottrop zum Haldenerlebnis Emscherblick oder kurz Tetraeder bewegen. Nachdem man die 387 Treppenstufen hinauf zum Fuße der Stahlkonstruktion gelangt ist, schafft die man die weiteren 38m bis zur dritten Plattform des Tetraeders auch noch. Und es lohnt sich. Hier kann man sich noch einmal mit einer Klasse Aussicht vom Ruhrgebiet verabschieden, bevor es wieder nach Hause geht. Achtung bei Höhenangst. Durch die Lochgitter ist der Blick nach unten Frei und die Treppen schwingen mit. Ja, Abenteuer kann man auch in Nordrhein-Westfalen erleben!

Wir kommen auf jeden Fall immer gerne auf ein Pils oder zwei vorbei. Auf dich du schönes Ruhrgebiet. Prost. Deine Fahrradrabauken.

Wer sind die Fahrradrabauken?

Bastian Rösler 33 Jahre, Umweltingenieur
Henrik Wiegelmann 34 Jahre, wissenschaftlicher Mitarbeiter

Frei nach dem Motto „Reisen ist fatal für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit“ [MarcTwain] haben wir uns im Sommer 2017 zum ersten Mal gemeinsam auf Fahrräder geschwungen, um die nähere Umgebung rund um Köln zu erkunden. Aus den ersten Fahrversuchen ist der Blog www.fahrradrabauken.de entstanden, in dem wir seit nunmehr knapp zwei Jahren unsere Erlebnisse festhalten.

Was Fahrradfahren so großartig macht, ist, dass man seine Reisegeschwindigkeit selbst bestimmen und absteigen kann, wo und wann man will. Wir haben uns zum Ziel gesetzt - mehr oder weniger regelmäßig - über diese langsame und unabhängige Art des Reisens zu berichten. Es geht schlicht und einfach um eine gute Zeit auf dem Rad inklusive Schweiß, Bier und netten Leuten. All das und noch viel mehr haben wir hier im Ruhrgebiet gefunden, deswegen kommen wir auch immer gerne wieder zurück in den Pott. Industrie, Kultur und Pils, da lassen wir uns nicht lange bitten. Isso!